Michael Phillippi
Aus WARWiki
Was sind deine täglichen Aufgaben?
- Was ich täglich mache... nun, meistens beginne ich den Tag damit, Ted, den besseren Konzeptgrafiker der neben mir sitzt, zu nerven (Gewöhnlich geht es dabei um Politik, Religion, aktuelle Ereignisse usw. und endet meist mit etwas, das mit Affen zu tun hat ... das kann ich nicht erklären, es ist nur eine Routine und jeder braucht Routine, um zu funktionieren). Sobald Ted und ich die morgendliche Debatte beendet haben, was immer der Fall ist wenn Affen ins Gespräch kommen (es ist die Routine, stell die Routine nicht in Frage), geht es damit los die Konzeptliste zu überprüfen, um zu sehen, an was ich für den Rest des Tages arbeiten werde.
- Im Wesentlichen bekommen wir eine Liste von Umgebungen, Rüstungen, Gegenständen, Charakteren und so weiter, die für das Spiel erschaffen werden müssen, und wir in der Konzeptabteilung sind diejenigen, die als erste mit dem Design zu tun haben.
- Ich habe also meine Aufgabenliste und es ist Zeit, entsprechendes Material zu suchen. Als erste Quelle für WAR nehmen wir immer Games Workshops enorme Bibliothek von Büchern. Nach 25 Jahren gibt es eine umfangreiche Menge an Informationen über so gut wie jeden Aspekt des Warhammer-Universums (Sogar Affen werden erwähnt ... stell nicht die Routine in Frage) und alle Konzeptgrafiker benutzen die Games-Workshop-Materialien ausgiebig für fast jedes Design, das wir machen. Die nächste Anlaufstelle ist das glorreiche Internet, wo Informationen und oft auch Bilder von so gut wie allem gefunden werden können. Ich weiß nicht, wie ich all die Jahre ohne die sofortige Bedürfnisbefriedigung durch das Internet funktioniert habe (hey, hört mit den schmutzigen Gedanken auf ... ja, ich habe das Feixen gesehen ... dieses Ding ist frei ab 12!). Nun, mit dem auf meinem Arbeitsplatz angehäuften Referenzmaterial beginne ich auf meinem PC zu skizzieren. Alle Konzeptgrafiker bei Mythic arbeiten größtenteils digital, um ihre Konzepte zu erstellen. Ich arbeite von Miniaturbildern bis zum fertigen Bild vollständig am Computer mit einer Mixtur aus Photoshop und Painter (meistens Photoshop ... nur meine Vorliebe).
- Wenn ich gut dabei bin und alles glatt läuft, kann ich zwei vollfarbige Konzepte oder eine Menge Schwarzweiß-Zeichnungen pro Tag abliefern, je nachdem was das Thema erfordert. Dieses "Glatt laufen", von dem ich spreche, ist ein seltenes Ereignis. Dies liegt vor allem an der Natur des Warhammer-Universums und unserem eigenen Wunsch, alles so Warhammer-mäßig wie möglich zu machen... es werden ständig alle möglichen Dinge im Spiel überarbeitet und angepasst.
- Gleichzeitig agiert das ganze Konzeptteam als eine Art Qualitätskontrolle für das Aussehen des Spieles ... das bedeutet, dass wir durch das Tagewerk der anderen Abteilungen und die aktuelle Version des Spieles stöbern und Dinge suchen, die visuell optimiert werden müssen. Manchmal bedeutet das, dass wir neue Konzeptskizzen machen, um das Element ausführlicher darzustellen, wir übermalen Screenshots um zu demonstrieren, wie etwas unserer Ansicht nach im Spiel aussehen sollte, oder wir korrigieren das fragliche Teil, indem wir direkt auf die Datei im Spiel zugreifen.
- Abgesehen davon ist da der Kreuzzug, einen Affen irgendwie ins Spiel einzuführen, aber bisher versuchen wir immernoch, ihn einzuschmuggeln.
Wie sieht dein Hintergrund aus? College? Hat er in deinem Job geholfen? Was war dein erster Job nach der Schule? Wie lange bist du bei Mythic?
- Wow, du glaubst wirklich, dass immer noch Leute mitlesen, nach dieser Doktorarbeit die ich als letzte Antwort abgegeben habe ... nun gut, ich habe einen BFA (Bachelor of Fine Arts) in Sequentieller Kunst (das bedeutet - ja, ich habe einen Abschluss in "Comics" ... was soll's, ich finde das selber auch immer noch lustig) und einen MFA (Master of Fine Arts) in Illustration. Ich habe gemischte Gefühle über Hochschulbildung betreffs Kunstgebieten. Der Kern ist, dass man so viel davon hat wie man hineinsteckt. Wenn Du hart arbeitest, eine gewisse Menge an Grundfertigkeiten hast und jede Möglichkeit am Schopf ergreifst, wirst du dich gut machen. Braucht man dafür eine Hochschule? Manche Leute brauchen die Struktur einer formellen Ausbildung und manche nicht. Am Ende entscheidet deine Bewerbungsmappe und etwas grundlegender Geschäftssinn. Solange du nie aufhörst zu lernen, wirst du den Rest unterwegs aufschnappen. Niemand wird am Ende viel auf ein Stück Papier geben. So weit, so gut. Ich für meinen Teil habe von der Struktur profitiert, die das College mir geboten hat. Andererseits hat der schon zuvor erwähnte Ted (der Affenerwähnende bessere Konzeptgrafiker der neben mir sitzt) die Nicht-Kunsthochschule-Route genommen und wir sind am selben Ort angekommen (und der Affenliebhaber schaffte es mit erheblich weniger Schulden durch Studiendarlehen ... man glaubt es nicht). Der Schlüssel ist, einfach weiter zu lernen und an deinen Zeichen-/Malfähigkeiten zu arbeiten wo immer und wann immer du kannst.
- Zu meinem Hintergrund, ich bekam meinen BFA '97 und meinen ersten Job für freischaffende Illustration ein paar Monate nach meinem Abschluss (Oh, ich werde das sicher bereuen, aber ... eine ganzseitige Schwarzweiß-Illustration in „Way of the Unicorn“ von AEG). Ich merkte schnell, dass ich nicht genug Geld machte, um mich als „Künstler“ (Gott, ich hasse das Wort) selbst zu versorgen und nahm mir einen festen Job als Grafikdesigner, während ich meine Karriere als Freischaffender in Sci-Fi/Fantasy-Illustration aufbaute. Es hat mich anderthalb Jahre gekostet, bis ich ein ausreichend regelmäßiges Einkommen als freiberuflicher Grafiker hatte, um die Welt des Festangestelltseins zu verlassen und ein selbstständiger Vollzeitgrafiker zu werden.
- Ende 1999 sprach mich Wizards of the Coast an, um ihrer „Legend of the Five Rings“-Abteilung als festangestellter Grafiker beizutreten und ich zog nach Seattle um. Es war eine großartige Erfahrung und ich wäre gern länger geblieben, aber Hasbro entschied, dass Wizards verschlankt werden müsste und die ganze Abteilung wurde gestrichen. Das bedeutete also zurück zum Vollzeit-Freiberufler und auch einen Umzug zurück nach New Orleans (ich brauchte einen Tapetenwechsel).
- Seltsamerweise bekam ich durch die Entlassung bei Wizards meine erste Arbeit an Warhammer. Die meisten der L5R-Leute gründeten Sabertooth Games, die das Warhammer-Sammelkartenspiel produzieren. Somit hatte ich praktischerweise einen Fuß in der Tür und Sabertooth wurde mein Hauptkunde für die nächsten Jahre. Nach einem weiteren Jahr des freien Schaffens war es wieder Zeit für einen Wechsel und ich ging zurück an die Schule, um meinen MFA zu bekommen und ein paar neue Tricks aufzuschnappen.
- Nachdem ich meinen Magisterabschluss gemacht hatte, bot mir das Savannah College of Art and Design eine Stelle als Professor für Illustration an, die ich annahm (ich verweise auf die obige Aussage zu höherer Bildung und ein Wörterbuch, um die Ironie schätzen zu lernen). Ich lehrte am SCAD und war weiter freischaffend tätig, als Mythic mich ansprach, um an WAR zu arbeiten. Ich konnte die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen und steuerte Fairfax, Virginia an, um dem Mythic-Team beizutreten. Im August werde ich ein Jahr bei Mythic sein.
Bei welchen anderen Spielen hast du in der Vergangenheit mitgewirkt? In welchen Rollen?
- Dungeons & Dragons, Magic the Gathering, Warhammer, Warhammer 40,000, Vampire the Masquerade, Werewolf, Rifts, Gurps, Legend of the Five Rings, Buchcover für Random House, Sword and Sorcery und andere Sachen - meine Rollen waren Illustrator, Konzeptgrafiker, Designer, Assistierender Künstlerischer Leiter usw.
Wann hast du dich erstmals in der Spiele-Branche zu Hause gefühlt, nachdem dir klar wurde, dass du tatsächlich mit Spielen dein Geld verdienen würdest?
- Das erste Mal als ich eines meiner Konzepte gebaut und im Spiel sah ... das war irgendwie ein cooler Moment.
Was reizt dich an Warhammer? Inwiefern ist es perfekt für ein MMO? Welche tollen Sachen aus dem Warhammer-Universum möchtest du umsetzen?
- Was ich an Warhammer spannend finde? ... Irre Briten (ich verweise auf jede Erwähnung von Paul Barnett, Design Manager von WAR und/oder sein Videotagebuch) und einfach die düstere Unbarmherzigkeit der Warhammer-Welt. Ich will in einer Fantasywelt spielen, in der Orks Schädel als Trophäen tragen und sich wie wild gewordene Mitglieder einer Studentenverbindung benehmen, in der Zwerge verärgerte Alkoholiker sind, Elfen elitäre Faschisten, das Chaos überall und Menschen imperialistische Fanatiker. Das Sahnehäubchen wird es aber sein, wenn sie den Affen einbauen ... alles dreht sich um den Affen. Und keine Disney-fizierte Putzigkeit ...
Sammelst du Warhammer-Figuren?
- Vor Ewigkeiten spielte ich 40k (Dark Angels) und Necromunda (Cawdor). Ich bleibe zwar auf dem Laufenden mit den Warhammer-Universen, aber ich sammle oder spiele nicht mehr. Ich habe schon genug Zeit mit Malerei im Haus verbracht, ohne dies zu meiner Liste von Hobbys hinzuzufügen.
Welche Hoffnungen/Ziele hast du für das Spiel?
- Ich habe den Affen schon erwähnt, richtig?
Welche Haupteinflüsse spielen bei der Entwicklung des Spiels eine Rolle?
- Eine Menge anderer Künstler und Illustratoren. Ich sage nicht, dass mein Werk irgendwo nahe an das herankommt, was diese Typen produzieren, aber dies hier sind die Leute die ich aufsuche, wenn ich mein nicht-existentes Haar zurückgepustet haben will (wenn ich meinen Kopf weit genug zurücklehne und mich vor einen Ventilator setze, fängt meine Bart etwas zu wackeln an … hey, wenigstens etwas): Phil Hale, Paul Bonner, Brom, Sargent, Scott Fischer, Lockwood, Quinton Hoover, Rick Berry, John Foster, Lyendecker, Parrish … und so weiter und so weiter.
Welche Spiele spielst du derzeit?
- Im Moment spiele ich als einziges Spiel City of Villains. Es ist eine Chance, Zeit mit ein paar Freunden zu verbringen, die ich sonst nicht mehr oft sehe, und die vielen Möglichkeiten zur Charakteranpassung mag ich wirklich. Ja, ich spiele ein Spiel, weil ich dort Kostüme machen kann ... ich glaube, ich brauche psychologische Hilfe.
Welche Musik hörst du im Moment?
- Ich habe gerade „American Recording Sessions; Cash V“ (Johnny Cash ist the Man!) gekauft und auch ein bizarres Konglomerat aus Iron and Wine, Morphine, Social Distortion und Sparklehorse (sie spielen ein tolles Cover von „Wish You Were Here“ auf dem „Lords of Dogtown“-Soundtrack). Ach ja, und eine großartige Box namens "No Thanks" (alles Punk von den 70ern bis hin zu den frühen 80ern).
Gibt es einen neueren Film, den du gesehen hast, oder ein Buch oder Comic, das du gelesen hast und anderen empfehlen möchtest?
- Superman wird sicher sehenswert und jeder Comic von Alan Moore ist lesenswert. Derzeit lese ich Zinns „People History of the United States“, das ziemlich interessant ist und mir mehr Stoff gibt, um mich morgens mit Ted zu streiten. Wenn du Quinns „Ishmael“ noch nicht gelesen hast, lauf – gehe nicht – zum nächsten Bücherladen ... es wird dir die Sinne rauben ... auf eine gute Weise.
Möchtest du noch etwas hinzufügen?
- "Wir nennen es gern………. Affen-Folter." ~kids in the hall
Quelle